Es dauerte über ein Jahr bis ich mich seit dem ersten Gedanken an einen eigenen Blog, tatsächlich zur Veröffentlichung meines ersten Beitrags überwinden konnte. Ein Jahr, indem meine Frustration über die fehlende Wertschätzung anderer Menschen sich selbst, aber auch von mir, mir selbst, gegenüber immer stärker wuchs. Ich habe viele Menschen getroffen, die sich in ihrem Leben mit weit weniger Glück, als sie haben könnten, zufrieden geben. Menschen, die ihr eigenes Potenzial nicht erkennen (wollen). Menschen, die aufgehört haben zu träumen, die sich damit abgefunden haben, dass gewisse Ziele für sie unerreichbar bleiben. Menschen, die im Laufe ihres Lebens begonnen haben zu glauben, dass die Grenzen, die sie einst für sich selbst gezogen haben, tatsächlich existieren.
Nun, ich gehöre gewissermassen selbst zu diesen Menschen. Doch ich habe einen Traum, den Traum einen Blog zu schreiben. Ich träume davon, die Erfahrungen, die ich aus der Auseinandersetzung mit meinem Inneren und der Beobachtung meiner Umwelt sammeln durfte, zu teilen. Denn vielleicht gibt es da draussen Menschen, die mit ähnlichen Herausforderungen, den gleichen Überzeugungen und Gefühlen konfrontiert werden.
So offen wie wir unsere Glücksmomente mit anderen teilen, so verschlossen ist unser Umgang mit Gefühlen und Gedanken, die uns Schwierigkeiten bereiten. In gewissen Kontexten mögen diese keinen Platz haben, vielleicht fürchten wir uns aber auch einfach davor, dass sie uns weniger liebenswert erscheinen lassen, dass solche Gefühle nicht „normal“ sind. Doch wären sie nicht „normaler“ wenn wir offener mit ihnen umgehen würden? Welche Erfahrungen würden wir durch das Teilen dieser Momente und Gefühle sammeln?
Sollte ich mit meinen Worten auch nur eine einzige Person erreichen, die sich durch das Gelesene in irgendeiner Weise verstanden, berührt oder inspiriert fühlt, dann hat sich mein Traum bereits erfüllt.
Doch meine Angst hält mich davon ab, mir den Traum eines eigenen Blogs zu erfüllen. Sie flüstert mir ins Ohr, dass niemand je meinen Blog lesen wird, dass sich niemand dafür interessieren, geschweige denn davon profitieren wird. Sie erklärt mir, dass ich nicht genug über das Leben weiss, um einen Blog darüber zu schreiben. Und weisst du was? Das stimmt. Ich weiss nicht genug über das Leben, werde dies wahrscheinlich niemals tun. Ich weiss nicht, auf welche Art und Weise, wenn überhaupt, meine Geschichten die Menschen bewegen werden. Aber das kümmert mich nicht mehr. Ich habe zu viel Zeit damit verbracht über das Endprodukt meines Blogs nachzudenken. Ich habe mich zu oft gefragt, ob er erfolgreich werden könnte, ob ich zu viel von mir Preis gäbe oder ob ich als Egozentrikerin, die behauptet alles zu wissen, wahrgenommen werden würde. Wie so oft in meinem Leben habe ich in diesen Momenten, den Fokus auf die Dinge gerichtet, die mich davon abhalten zu tun, was ich schon immer tun wollte. Doch ich bin es satt mich im Käfig meiner eigenen Grenzen zu befinden.
Da bin ich also, verfasse den ersten Beitrag des Blogs, vor dem ich mich schon immer fürchtete. Ich fühle mich noch etwas unsicher, jedoch gleichermassen selbstbestimmt und zuversichtlich. Denn die Entscheidung den Blog zu schreiben ist nicht länger von einer festen Vorstellung, was daraus werden soll, geprägt. Vielmehr habe ich mich dazu entschieden mir die Erfahrung des Bloggens zu erlauben. Dabei akzeptiere ich, dass das Leben ein unendlicher Lernprozess darstellt. Ich erlaube mir, neugierig sein zu dürfen und nicht alles wissen zu müssen. Es ist ein erster Schritt auf dem Weg, mich von Erwartungen und von dem Zwang, in allem perfekt sein zu müssen, zu lösen.
- Von was träumst du?
- Wie würdest du dich fühlen, dich verhalten, wie würdest du leben, wenn deine Träume in Erfüllung gingen?
- Was hält dich davon ab, genau so zu leben?

