Einst warst du mein Held,
das ist gar noch nicht lange her.
Ich habe zu dir hochgeschaut,
du, mit deinem kühnen Glauben und deinem unerschöpflichen Streben nach mehr.
Du warst mein Funken Hoffnung, mein Silberstreif am Horizont,
du tatest Dinge, die hatte ich damals noch nicht gekonnt.
Dich zu beobachten mit deiner selbstverständlichen Art zu Leben,
hat mich Tag für Tag dazu inspiriert nach mehr zu streben.
Ich habe dir nachgeeifert, habe all deine Weisheiten verschlungen,
damit aber vergebens, um deine Aufmerksamkeit gerungen.
Nichts wollte ich mehr, als dich ein Stück lang zu begleiten
und mit dir an meiner Seite, meinen Horizont ausweiten.
Ich hatte gehofft, Teil deines Lebens zu sein,
du aber bliebst von Anfang an lieber allein.
Vielleicht dachtest du, du müsstest mit mir einen anderen Weg einschlagen,
oder zeitweise all meinen Ballast alleine tragen.
Ich spüre, du willst mich nicht bei dir haben
und so habe ich den Traum, ein Stück mit dir zu gehen, vollends begraben.
Die Distanz zwischen uns nimmt zu,
ich scheine in eine andere Richtung zu gehen als du.
Seit sich unsere Wege trennen,
fällt es mir schwer dein Leuchten zu erkennen.
Die Selbstverständlichkeit, mit der du einst durchs Leben gingst,
verdeckt von hier aus nicht mehr, wie du dich jeden Tag aufs Neue zwingst.
Das, was dich seit Jahren unerschöpflich antreibt,
ist die Hoffnung darauf, dass dich irgendetwas befreit.
Befreit von deinen selbst erschaffenen Grenzen,
die nun verantwortlich sind für unsere Differenzen.
Ich hätte nie gedacht, dass du an Grenzen glauben würdest
und mir damit, vielleicht unbewusst, dein eigenes Gefängnis aufbürdest.
Ich höre dir zu, wie du aus weiter Entfernung deine Grenzen legitimierst
und wie du mir zu erklären versuchst, wie deine Realität funktioniert.
Eine Realität, die eben bloss die Deine ist,
die aber ohne dass du es merkst, formt, wie du bist.
Doch auch wenn mein Heldenbild langsam zerbricht,
das Gefühl, das es in mir erzeugt hat, verschwindet nicht.
Du hast mich einst inspiriert an Wunder zu glauben
und auch andere nicht ihrer Träume zu berauben.
Vielleicht ist es an der Zeit mein eigener Silberstreif am Horizont zu werden
und nicht mehr länger nur die Samen anderer zu beerden.
Vielleicht ist es an der Zeit mich selbst zu inspirieren
und mein Leben bedingungslos mit allem, was ich liebe, zu zieren.
Vielleicht kann ich nun mein eigener Held sein
und annehmen, was ich schon viel zu lange vernein.
Vielleicht war es richtig von dir, mich zurückzulassen,
denn unsere Vorstellungen vom Leben schienen ohnehin nicht mehr zueinanderzupassen.
Vielleicht habe ich den Schmerz, den du in mir hinterlässt,
schneller verarbeitet, wenn du mich ein für alle Mal verlässt.
Und vielleicht kommt da bald ein Tag,
an dem ich dich plötzlich wieder frag,
ob wir uns treffen, um darüber zu lachen,
was die Grenzen unserer Realität so mit uns machen.
Vorerst bleibt es aber nur bei einem wagen Vielleicht,
doch lass uns warten, was passiert, wenn etwas mehr Zeit verstreicht.

