Es braucht dich. Genau jetzt, genau so, wie du bist. Es braucht dich womöglich mehr denn je, in einer Welt, die mehr Verwirrung stiftet als Klarheit schafft. Eine Welt voller Suchenden. Auf der Suche nach etwas, das erfüllt, etwas, das uns einzigartig macht, uns einen Grund gibt zu sein.

Wir versuchen dagegen anzukämpfen, dass wir im Grunde alle ziemlich ähnlich sind, ähnlich und dennoch individuell. Denn, auch wenn es sich manchmal so anfühlen mag, unsere Ähnlichkeit lässt uns nicht in der Maße untergehen. Im Gegenteil, sie erlaubt uns, uns miteinander zu verbinden. Wir erzählen von uns, teilen unsere Gedanken, Gefühle und Erfahrungen. Wir lassen damit jemanden in unserer Welt Platz nehmen. Er verweilt da für einen kurzen Moment. Ein Moment, in dem wir Vertrauen, Präsenz und Energie austauschen. Uns damit gegenseitig mit den womöglich kostbarsten Dingen, die man heute in unseren Breitengraden besitzen kann, beschenken. 

Diese Momente der authentischen Begegnung schaffen eine Verbundenheit, die uns spüren lässt, dass es uns braucht. Denn diese Verbundenheit ist durch uns entstanden und wird von uns am Leben gehalten. Du wirst nun vielleicht denken, dass es Leute gibt, zu denen man sich keineswegs verbunden fühlt oder verbunden fühlen möchte. Auch wenn ich dir Recht gebe, letztendlich bleiben es unsere Ähnlichkeiten (so beispielsweise unsere Fähigkeit Liebe, Freude, Trauer, Wut, etc. zu empfinden) und nicht unsere Unterschiede, die uns Momente der tiefen Verbundenheit und des Sich-Verstanden-Fühlens bescheren. Im wahrhaftigen Austausch dürfen wir uns geborgen, aufgehoben und sicher fühlen. Im Austausch mit anderen, mit etwas Grösserem oder mit uns selbst.

Nichtsdestotrotz, ich sehe dich. Ich sehe, wie du nach deinem Platz ringst. Ich weiss, dass es Momente gibt, in denen du dich verloren fühlst. Momente, die dich glauben lassen, dass es egal sei, ob du existierst. So sehr du dich in diesen Momenten alleine fühlst, so sehr sich diese Momente persönlich anfühlen, so schwer mag es dir fallen, zu glauben, dass diese Momente im Grunde Teil einer kollektiven Erfahrung sind. Denn auch wenn nicht zur selben Zeit, wie viele von uns haben sich schon genau so gefühlt wie du? Wie viele von uns suchen ihren Platz und wie viele von uns sehnen sich danach gesehen zu werden?

Ist es nicht paradox, dass wir glauben, wir müssten uns mit irgendeinem herausragenden Talent, einer aussergewöhnlichen Leistung oder einer Besonderheit von der Maße abheben, der gleichen Maße, zu der wir aber nichts mehr wollen, als dazuzugehören? Wenn doch das Gefühl von „Gesehen werden“ ein Gegenüber braucht, das sieht? Wenn es doch eigentlich nicht unsere Individualität, sondern unsere Ähnlichkeit, unsere Fähigkeit einander zu verstehen und nachzuempfinden, ist, die Verbundenheit schafft und uns immerhin für einen Moment lang das Gefühl gibt, nicht allein zu sein.

Während du also unter all den anderen Suchenden herumirrst, halte ich dir einen Platz frei. Ein Platz, der dich daran erinnern soll, dass sich schon einst jemand vor dir gefühlt hat, wie du dich gerade fühlst und dass es da auch immer jemand geben wird, der dies nach dir tun wird. Dieser Platz soll dir zeigen, dass dein derzeitiges Empfinden, deine Einsamkeit, Voraussetzung dafür ist, dass du dich wirst verbunden fühlen können. Dass du dir selbst, in den Erzählungen anderer begegnen wirst und sich andere in deinen Erzählungen wiederfinden werden. Es braucht dich. Es braucht dich als Teil dieser Verbundenheit und es braucht jeden von uns, damit wir uns gegenseitig daran erinnern können, dass wir nicht mehr tun müssen, als uns selbst zu sein, so ähnlich und so individuell, wie wir auch immer sein mögen. 

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